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05.12.2010 - 00:00:00
"WETTEN, DASS..?" - GAST KOLUMNE...
...von André Schlegel zum smago! Artikel "Drama bei 'Wetten, dass..?'"!
smago! berichtete gestern Abend (Sa., 04.12.2010) topaktuell über das "Drama bei 'Wetten, dass..?'": "Wettkandidat verunfallt - Live-Sendung abgebrochen!". Diesen Artikel können Sie HIER nachlesen.
Auch André Schlegel saß am Samstagabend vor dem Fernseher. Spontan entschied er sich, eine Gast Kolumne für www.smago.net - Das Online-Portal für deutsche Musik zu schreiben.
Ein Samstagabend - normalerweise für mich persönlich kein Pflichttermin, "Wetten, dass..?" einzuschalten.
Vielmehr Kindheitserinnerungen an schöne Fernsehabende in den 80ern, als die Show noch in den Kinderschuhen steckte.
Heutzutage ist davon noch Thomas Gottschalk übrig, der damals Frank Elstner beerbte. Und Thomas Gottschalk lädt noch immer seine Helden der glorreichen Siebziger ein, garniert mit den internationalen Superstars, die derzeit die Charts anführen beziehungsweise von den Majors dort platziert werden, um sie einem Millionenpublikum zu präsentieren.
Beim Einkaufen heute Mittag erhielt ich eine SMS. Ein Musiker, mein Düsseldorfer Freund Baptiste, ein versierter und passionierter Geiger, teilte mir freudig mit, dass er heute Abend in der Band von Take That spielen darf.
Ich habe mich riesig für ihn gefreut und deswegen seit Jahren mal wieder eingeschaltet. Ziemlich zu Beginn der Show das Drama, ein junger Mann verunglückt ausgerechnet im Zusammenprall mit dem Auto, das von seinem Vater gelenkt wird.
Ratlosigkeit, die Kamera schwenkt schnell von regungslosen Körper ins Publikum, zu den entsetzten Gesichtern der Wettpaten. Es müssen quälend lange Sekunden, eine kleine Ewigkeit, für den Moderator Gottschalk sein, der die Situation einzuschätzen versucht, noch routiniert und mit vorsichtiger Wortwahl die Minuten des Schreckens im Zaum zu halten. Irgendwann bittet er um Hilfe und Information bei der Regie, die erst dann hörbar eingreift. Die Sendung wird unterbrochen.
"Win The Race" von Modern Talking ertönt - mag ein dummer Zufall sein, aber passend ist der Titel bei einem "Autounfall" nicht gerade. Kurz danach der unlängst verstorbene Boyzone-Sänger Stephen Gately - auch unglücklich. Nach weiteren zwanzig Minuten wird noch einmal nach Düsseldorf geschaltet, Thomas Gottschalk erklärt den Abbruch der Show. gefasst, souverän - meiner Meinung zeigt sich gerade in solchen unvorhersehbaren Situationen die Qualität eines Entertainers, wenn er sensibel, ohne Panik - professionell eine Situation erklärt und händelt. -
Jeder Fernsehmacher, der Livesendungen produziert, kennt den besonderen Reiz: Keine Livesendung ist wie die andere. Vor fast genau vier Jahren standen wir bei unserer Livesendung vor einer ähnlich schlimmen Situation: Ein Künstler hatte hinter der Bühne in der laufenden Sendung starke Herzproblem, sackte zusammen, Notarzt. Letztlich wurde die Sendung fortgeführt; das entstandene Loch im Programmablauf füllte Michael Larsen mit einem Ersatztitel, von denen wir stets 2-3 in Petto hielten für "den Fall der Fälle".
Letztlich hatten wir Glück, am Abend noch wurde klar, dass der erkrankte Künstler keinen Infarkt erlitten hatte, und alles wurde schnell wieder gut.
Hoffen wir für den verletzten Samuel, dass auch er seine waghalsige Wette nicht mit bleibenden Einschränkungen bezahlen muss und senden gute Gedanken in die Klinik nach Düsseldorf.
Es bleibt die Hoffnung darauf, dass dem permanenten "höher - schneller - weiter" ein Ende gesetzt wird, ein Prozess des Nachdenkens über Risiken und deren Kalkulierbarkeit einsetzt. Nur so ist man bleibend gefeit gegen Mutmassungen, in der Konkurrenzsituation zu den Programmen der Mitbewerber aus Gier nach Quote wichtige Sicherheitsapekte außer Acht gelassen zu haben.
Quelle: André Schlegel
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Kommentare:
05.12.2010 09:59:12
Wetten, dass...?
Andreas Schlegel hat in seinem Beitrag meine Grundauffassung
in der Sache wieder gegeben.
Seit dem gestrigen Abend und der mutigen Entscheidung des ZDF, nach dem tragischen Unfall die Show abzubrechen, bin ich gewillt und bereit, wieder an das Fernsehen als moralische Anstalt (nicht nur des öffentlichen Rechts!) zu glauben, trotzdem ist auch bei einem sorgfältigeren Umgang mit und bei der Auswahl von Showacts und einem Ende im Kampf um ein permanentes "Höher - Schneller - Weiter" letzlich nicht jedes Risiko auch in der Fernsehunterhaltung auszuschließen, aber es kommt immer darau an, wie man damit umgeht.
Thomas Gottschalk, sein "Wetten, dass..." - Team und das ZDF setzten dafür am Vorabend des 2. Advent ein beachtens- und bemerkenswertes Signal
meint
Jürgen Ztirf
geschrieben von: Jürgen Ztirf
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