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01.02.2012 - 00:00:00
smago! KOLUMNE
"Ich bin KEIN Star - Holt mich hier raus!" ODER smago!'s Riesa-Trauma II...
Als Christian Anders 1983 den Titel "Gespensterstadt" schrieb, der eigentlich erst ein gutes Vierteljahrhundert später in der Neu-Version von 3select music sor richtig zu einem riesengroßen Diskotheken-Dauerhit wurde, war er vermutlich noch nie in Riesa gewesen. Denn sonst hätte auch er gewusst: Denn es gibt eine Gespensterstadt, die einen Namen hat - Riesa!
Zumindest 2012 fragt man sich allen Ernstes, ob da überhaupt noch irgendwer wohnt. (Und wenn ja, warum...)
smago! jedenfalls kommt immer wieder gerne in die sympathische Mittelstadt im sächsischen Landkreis Meißen linksseits der Elbe und schlägt jedes Mal Purzelbäume, wenn es wieder heißt "Auf nach Riesa!", wenn dort ein wie auch immer benanntes Silbereisen-"Fest" oder der "Musikantenstadl" stattfindet.
Bereits einmal haben wir Sie an unseren Erlebnissen teilhaben lassen. Aus gegebenem Anlass gibt es jetzt eine kleine Zugabe.
In gewisser Weise treten wir heute mal in die Fußstapfen von "Cappuccino" Michèl Ursinus, der auf seiner privaten Homepage (derzeit leider offline) auch schon mal als "Hoteltester" in Erscheinung getreten ist. Ähnliches haben wir auch wir heute vor... (Wobei wir, diskret wie wir sind, den Namen des Hotels nicht nennen werden... Aber warum sollen Sie nicht auch einmal auf Ihre Kosten kommen.)
Es gibt doch tatsächlich Hotels, da schließt die Rezeption (jedenfalls am Wochenende) bereits um 14.00 Uhr, während es wiederum viele andere Hotels und "Gasthäuser" gibt, wo ein Eincheckgesuch vor 15.00 Uhr völlig sinnlos ist. Gut, wenn man's vorab wüsste, ginge das ja vielleicht noch in Ordnung. Aber es ist dem puren Zufall geschuldet, dass smago! Chefredakteur Andy Tichler tatsächlich bereits vor 14.00 Uhr einchecken wollte. Ansonsten hätte sich vielleicht noch der Alexander-Puschkin-Park in unmittelbarer Nähe fürs Nachtquartier angeboten, wenn es nicht gar so arschkalt gewesen wäre.
So stand man also um ca. 13.50 Uhr vor dem "Hotel". So (oder so ähnlich) hatte man sich in Kindheitstagen in Grimms Märchen "Hänsel und Gretel" das Hexenhäuschen vorgestellt. Man klingelt 1x, man klingelt 2x, man klingelt 3x. Es tut sich nichts. Man klopft gegen die Tür. Vielleicht meldet sich ja wer mit einem zünftigen "Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?". - Nichts. Daaa - da brennt ein Licht. Man klopft gegen die Fensterscheibe. - Es tut sich nichts. Also ruft man kurz im Hotel an - und sofort geht jemand dran, nachdem man bereits fünf Minuten in klirrender Kälte dumm und dämlich vor der Tür gestanden ist. "Haben Sie schon mal gegen die Tür gedrückt?". - "Ja!" - "Dann drücken Sie jetzt bitte noch mal." - Bingo!!! ((smago! verzichtet diesmal darauf, alles in "Ossitanisch" zu protokollieren.)
Höflich entschuldigt man sich, dass man schon so früh anreist und fragt an, ob das Zimmer denn vielleicht jetzt schon bezugsfertig sei. "Sie kommen genau richtig. Denn um 14.00 Uhr machen wir Feierabend". Wie bitte??? - "Da wir ein Frühstückshotel sind, haben wir keine 24-Stunden-Besetzung". - Ahhh ja.
Bereits im Treppenhaus heißt einen dieser unbeschreiblich widerlich 'süße' "Pensionsgeruch" entgegen, als befände man sich in einer Kloake, willkommen. Im Zimmer selbst riecht es nicht besser. Als ausgewiesenem Nichtraucher wird einem selbstverständlich ein Raucherzimmer zugeteilt. Trotz Minusgraden ist das Fenster auf. Dafür läuft die Heizung auf volle Pulle. Zwei kleine Flaschen Mineralwasser sind auf dem Tisch bereitgestellt, die eine davon ist angebrochen und ergießt sich, als man sein Laptop auf diesem sonderbaren Glastischchen abstellen will, sogleich über selbigen.
13:56 Uhr. Ein kurzer Blick ins Bad... Am Toilettenpapierspender hängt nur noch ein kläglicher Rest Toilettenpapier. Selbst bei sparsamster Einteilung - beispielsweise durch Viertelung eines jeden einzelnen (restlichen!) Blattes könnte es knapp werden. Schnell also noch einmal nach unten gehechtet. Denn die Repetion schließt am Wochenende, wie wir ja jetzt wissen, bereits um 14.00 Uhr und man will sich ja nicht unbedingt "dööön Böööbbbööö mät dööör Hööönd" abwischen... Wär ja noch schöner... Dass der Radius Klobrille so klein ist, dass vemutlich noch nicht einmal eine Maus hindurch...-Pardon-...scheißen könnte (geschweige denn ein ausgewachsener smago! Chefredakteur") steht auf einmal ganz anderen Blatt.
Kopf- und Bettkissen sind mit rosa Bettwäsche überzogen. Schließlich hat Mann sich das ja schon immer einmal gewünscht, einmal in rosa Bettwäsche zu schlafen...
Das absolut Genialste jedoch sind die vier Meter hohen Vorhänge oder vielmehr, dass sich die "Schnur", mittels der man diese Vorhänge denn auch tatsächlich zu- oder wieder aufziehen könnte, in Höhe von 3 Meter 50 befindet. So dass man also eine ganze Weile zerren und zurren muss, um das Zimmer zumindest einigermaßen "verdunkelt" zu bekommen.
Der Service des Hauses jedoch ist geradezu unübertrefflich:
Auskünfte
"Für Auskünfte und sonstige Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung."
Dumm nur, dass ab 14.00 Uhr niemand mehr da ist...
Hygieneartikel
"Zu Ende gegangen (((ja!!!) oder gar vergessen ((muss man neuerdings sein Klopapier selbst mitbringen?!!)? "Kein Problem – scheuen Sie sich nicht an der Rezeption danach zu fragen."
Gegebenenfalls nehmen Sie eben doch die Hand...
Nähservice
"an der Rezeption erhältlich"
Na großartig!
"Bitte geben Sie und Bescheid, wann Sie geweckt werden möchten. Möchten Sie lieber mit Musik aufwachen? Ihr Weckradio macht es möglich."
Oh ja: Ich wünsche mir bitte von Kristina Bach den Titel "Ein Sonntag im Pyjama"... (Dann kann man sich nämlich gleich am Sonntagmorgen über den Grammatikfehler aufregen, denn natürlich müsste es "Einen Sonntag im Pyjama wünsch' ich mir" heißen...!, andererseits: "richtiges Deutsch" - in Riesa???)
Nur: Das Leben ist kein Wunschkonzert...
Sonntagmorgen. Frühstückszeit. (Aber nur bis 10.00 Uhr.)
"Was möchten Sie trinken?"
- "Eine heiße Schokolade, bitte..."
"Wir haben nur Cappuccino oder Kakao."
- "Ach was. Dann bringen Sie mir bitte Kakao!!!"
Die Wurst in der Auslage sieht so aus, als würde sie noch (bzw. wieder) leben. Und da man selbst wohl doch noch ein bisschen am seinem Leben hängt, wird man dann eben schnell einmal zum 30-Minuten-Vegetarier...
Abreise
"bis 11.00 Uhr. Sollte diese Zeit nicht in Ihren Terminplan passen, finden wir gemeinsam eine Lösung."
Höflich fragt man an, ob es eventuell möglich wäre, erst um 12.00 Uhr auszuchecken, weil der Zug erst um 12.34 Uhr...
- "Nein!!! 11.00 Uhr!!!"
Okay, okay...
Das verschafft uns die Möglichkeit, noch einen kleinen Stadtbummel durch die Innenstadt, die sich uns partout nicht so wirklich erschließen will, zu unternehmen. Vielleicht hätte man sich beim Musikwecker doch besser für "Ausgebombt" von der Gruppe Sodom entschieden, zumal man wirklich vorwiegend nur Sodom und Gomorrha sieht.
So läuft man an einem Blumenladen vorbei, der an einer Eckkreuzung liegt und sinnigerweise "Blumen-Eck" heißt, man lässt das Autohaus "Gute Fahrt" links linken, kommt an einem Restaurant vorbei, in dem "sonntags alle Gerichte aus unserer Karte 8.- €" kosten und ertappt sich kurz bei der Überlegung, aus purer Boshaftigkeit dort sein Mittagessen einzunehmen (und sich natürlich für das teuerste Gericht zu entscheiden...). Man entdeckt das "Wäsche-Stübchen für Sie & Ihn". Fassungslos steift man ein Bekleidungsgeschäft, das gerade "Kollektionswechsel" ("Frau Förster bittet zum Winterschluss"). Man dackelt an der "Pfennig Oase" vorbei, in der man "clever einkaufen" kann, um sich dann kurz vor der Abfahrt des Zuges am Bahnhof Riesa einzufinden. Wie gut, dass man sein Geschäft schon verrichtet hat, denn: "Diese Toilette ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Bahnhofsmanagement Leipzig."
Wieder in der westlichen Zivilisation angekommen, fängt man bereits an, die Tage zu zählen, bis man das nächste Mal nach Riesa darf. Spätestens am 17. März 2012 - zum Silbereinschen "Frühlingsfest", das dankenswerterweise gleich noch ein weiteres Mal in Riesa produziert wird...

Und jetzt beamen wir uns mit der Zeitmaschine noch einmal um gut zwei Jahre und drei Monate zurück... Lesen Sie hier einen Auszug aus einem smago! Artikel vom 23. Oktober 2009...:
Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erleben... Und wenn man in die "neuen Bundesländer" resit, erlebt man bisweilen schier Unfassbares.
Folgende köstliche Anekdote soll Ihnen gar keines Falls vorenthalten bleiben...: smago! Chefredakteur hatte ein Großraumtaxt zum "Welcome Hotel" in Meißen beordert, um mit vier weiteren Personen (aus Bayern) nach Riesa in die "Erdgas Arena" zur Generalprobe der Sendung "Das Herbstfest der Volksmusik" zu fahren. Das Großraumtaxi kam denn auch einigermaßen pünktlich. Allein, es hing noch ein Anhänger an "unserem" Großraumtaxt dran. Wir stiegen ein. "Üsch müssdä ürst nöch Gööhlen höölen", berichtete uns der Taxifahrer. "Bitte was?", wollte eine Mitinsassin wissen. "Gööhlen höölen!!!", wiederholte unser Chaffeur. "Also, ich verstehe die Leute hier nicht", meinte die Dame leicht resignierend. "Der Mann hat Kohl geholt", meinte ihre Kollegin kopfschüttelt. "Nee, geen Gööhl, Gööhlen!!! Göööh-len!!!". Des Rätsels Lösung: Der Taxifahrer hatte kurz zuvor noch zwei Paletten KOHLEN ("Gööhlen") geholt (zum Heizen), "die wöör'n in'm Öhngebööd" (, die im Angebot waren). Dafür entfuhr es einem der beiden männlichen bayrischen Kollegen: "Jo mei, des is halt immer noch a Plumpsklo-Republik hier". Taxifahren kann so was herrlich sein... Zumal es munter weiterging á la "Ühr Wössis glööbt wohl, Ühr höödöd dö Wööshööt mödd dör Lüfföln güfrössen, mööst ümmör 'nö dümme Gösche höb'n" (Ihr Wessis glaubt wohl wohl, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, immer müsst Ihr eine "dumme Gosche" haben)... Bei allem (absolut vorhandenen) Respekt, lieber Florian Silbereisen: Dieses "Erlebnis" KONNTEST Du mit Deiner Sendung gar nicht mehr toppen...
Und so fuhren wir im "Hoppe, hoppe Reiter" Stil mit zwei Paletten "Gööhlen" öff'm Büggöll (auf dem Buckel - bzw. auf dem/im Anhänger) hinten froh und munter über die ostdeutschen Buckelpisten gen Riesa. Und - ob Sie's uns nüü (nun) glauben oder nicht, wir waren tatsächlich pünktlich vor Ort!!!
Quelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de
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Kommentare:
13.03.2012 07:27:46
Riesa
Eine Frechheit was hier über die Stadt Riesa geschrieben wird. Es sollte sich vorher besser mal richtig erkundigt werden und nicht das billigste vom billigsten gewählt werden. Keiner muß zu Silbereisen oder zum Stadlnach Riesa fahren um ins Fernsehen zu kommen und dann schlechte Kritik über diese Stadt auszuüben. Übrigens die genannte Strecke durch die Stadt führt entgegengesetzt zum Bahnhof.
Ich für meinen teil habe im Westen schon Pferde kotzen sehen, also macht die Kleinstädte im Osten nicht schlecht !!! Geld machen wollen, aber nichts ausgeben, schlechtes managment würd ich sagen :-)))
geschrieben von: Jäger
01.02.2012 23:07:12
Wohl an der falschen Stelle gespart ?
Man hätte vielleicht mal drüber nachdenken sollen ein richtiges Hotel zu wählen und nicht so knausrig zu sein,bei der Hotelauswahl....
Und leider gibt es in der "zivilisierten westlichen" Welt weit mehr solche Hotels,wie in Riesa-mußte ich dummerweise selbst z.B. auch in Hamburg erfahren...
So viel zum "hochgelobten goldenen Westen"
geschrieben von: Ein Ossi
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